PV  ZENTRALVORSTANDS-SITZUNG
23. / 24. Oktober  2008  in Brenscino

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Am 23./24. Oktober 2008 trat der ZV unter Leitung des ZP, Alex Wyss, zu seiner, wie üblich klaglos von Alex Wyss und Marius Zurbrügg organisierten, diesjährigen, 3. ordentlichen Sitzung, auch wie üblich, im Hotel Brenscino in Brissago zusammen.

Einleitend gedachten die Anwesenden unseres viel zu früh verstorbenen, sehr geschätzten Verbandspräsidenten, Pierre-Alain Gentil, wie auch den in diesem Jahr dahingegangenen PV-Mitgliedern.

Haupttraktandum des ersten Tages bildete das Referat von Alfredo Keller, des früheren Leiters der Industriewerke (IW) Bellinzona über den Streik, der die ganze Schweiz bewegte. Besonders beeindruckt hat Alfredo seine Zuhörer mit seinen Überlegungen zur Menschlichkeit. Sie müsse auch in einem In-dustriebetrieb gelebt werden. Menschen sollten wie Menschen behandelt werden, nicht wie Ausgabeposten. Die Arbeitsniederlegung im IW war nicht bloss ein Streik, sie war eine echte Volksbewegung, eine Rebellion. Der ganze Kanton, alle Gemeinden, sogar der Bischof und die Pfarrer vom Südtessin bis Airolo, solidarisierten sich mit den Arbeitern der IW. Die Tessiner hatten genug, laufend Dienstleistungsbetriebe des Bundes zu verlieren und nicht ernst genommen zu werden. Alfredo wünschte sich, die Gewerkschaften würden ihre Politik gegenüber den immer aggressiver und arroganter auftretenden Managern überdenken. Vertreter der Arbeitgeber, die früher auf Gespräche setzten, würden immer weniger. Auf einen groben Klotz gehöre ein grober Keil. Alfredo wünschte auch, die Vertreter des SEV hörten noch mehr auf ihre Mitglieder und handelten danach, auch wenn das, was gesagt werde, ihnen nicht immer ins Konzept passe. (Vox populi, vox Dei).

Der ZP orientierte über die Gespräche vom 22. August mit Markus Jordi, Personalchef SBB. Der eine Teil dieses Gespräches umfasste den FVP, konkret den bisherigen Gutschein, der mit dem FVP-Konzept 2001 eingeführt wurde, aber mit der Preisentwicklung nicht Schritt gehalten hat. Es darf zu-versichtlich eine Verbesserung erwartet werden.

In einem ausführlicheren Teil dieses Treffens kam die sehr schwierige, um nicht zu sagen bedrohliche finanzielle Lage der Pensionskasse SBB zur Sprache. Der Personalchef appellierte an alle, dort wo sich Gelegenheit biete, auf die Wichtigkeit der Sanierung unserer PK hinzuweisen und Halb- und Unwahrheiten entgegenzutreten. Von der heutigen Unterdeckung der Kasse (etwa noch 80%) sind alle stark betroffen, nicht zuletzt die Rentenbezüger, deren Rente laufend an Kaufkraft verliert und die auf eine Teuerungszulage, ohne Sanierung der Kasse durch den Bund, noch lange Jahren zu warten hätten. Gemäss einem Bericht der OECD sei in der Schweiz die Altersarmut weiter verbreitet als im OECD-Schnitt. Dort gelten 13% der Rentner als arm, in der Schweiz seien es mit 18% deutlich mehr, was im Hinblick auf die mehr als 68 Mrd. Franken, welche der Bund der UBS in der Rachen wirft, zu denken geben sollte. Der ZP lobte die Verantwortlichen beim SEV, die sich innert Frist kompetent zur Ver-nehmlassung des Bundes über die Sanierung der PK geäussert hätten und sich ohne Wenn und Aber hinter die vollständige Ausfinanzierung stellten. Sowohl der ZP als auch unser Rechtskonsulent, Sepp Bühler, beruhigten schliesslich, eine Rentenkürzung stehe nicht ins Haus.

Leider werden bei den Forderungen des SEV an die SBB die Pensionierten nicht erwähnt. Der PV klärt derzeit auf juristischem Weg den Anspruch auf einen Teuerungsausgleich, auch wenn dies dem Vernehmen nach da und dort miss-fällt.

Zufolge der stetig fallenden Mitgliederzahl und der eher steigenden Kosten, muss sich der PV um einen Ausgleich der Positionen bemühen. Dieser und weitere Punkte werden einer noch zu gründenden Arbeitgruppe übertragen.

Zu reden gab auch die Strukturreform des SEV, welche der Kongress 2007 im Anschluss an die gescheiterte Fusion mit der GeKo, dem SEV für den Kon-gress 2009 zur Aufgabe machte. Bei der geplanten Reform stehen die Profi-strukturen des Zentralsekretariats und die Milizstrukturen im Vordergrund. Darüber berät demnächst der Verbandsvorstand (VV). Schwerpunkte der Dis-kussion im ZV-PV waren die Milizstrukturen. Die Tage des VV scheinen gezählt zu sein. Ein Vorstand im Sinne eines strategischen Organs soll diesen ersetzen und gleichzeitig Aufgaben der heutigen Geschäftsleitung übernehmen. Teil-weise wenig Gefallen findet der ZV an der Zweiervertretung, nachdem der PV aufgrund seiner Mitgliederzahl bis heute 7 Vertreter im VV hat. Absolut unbefriedigt ist der ZV damit, dass keine Ersatzmitglieder gewählt werden kön-nen. Insbesondere bei den älteren Semestern sind Ausfälle wegen Krankheit, Operationen, keine Theorie. Auch dass der SEV damit liebäugle, die Sektions-beiträge wieder zu indexieren, was klar einer Beitragserhöhung gleich kommt, wäre für die Pensionierten, die, wie oben erwähnt, wahrscheinlich noch Jahre mit der gleichen Rente auskommen müssen, ein schwer , wenn nicht sogar un-verdaulicher Brocken. Zahlreiche Austritte wären mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Folge.

Abgeschlossen hat der ZV das Thema Kollektiv-Krankenkassenversicherungen. Unsere Mitglieder haben kaum die Möglichkeit, noch etwas zu ihren Gunsten zu verändern.

Die Mitgliederwerbung bewegte verschiedene Kollegen. Gesagt werden muss leider, was vielerorts nicht geglaubt wird, dass diejenigen Mitarbeitenden der SBB, die im Erwerbsleben nicht organisiert waren, diesen Schritt mit Sicherheit im 3. Lebensabschnitt auch nicht mehr unternehmen. Die Werbung müsse bei den Aktiven beginnen wurde betont. Beim PV gehe es um die Erhaltung der Mitgliedschaft. Hier sollte der Migrationskommission ins Gewissen geredet werden. Es konnte nämlich festgestellt werden, dass Ausländer sofort den SEV verlassen, sobald sie nicht mehr auf den Rechtsschutz bei der Arbeit ange-wiesen sind. Als absoluten Leerlauf, wenn nicht gar als kontraproduktiv, taxierten alle, die sich dazu äusserten, den sog. Witwenbrief. Dieser animiere eine Hinterbliebene geradezu, dem SEV den Rücken zu kehren, während der SEV mit Hochdruck neue Mitglieder sucht. Der PV hat schon mehrmals an zustän-diger Stelle um Abschaffung dieses Briefes, oder wenigstens um Änderungen der unglücklichen Formulierung gebeten. Ob es gewisse Funktionäre des SEV noch lernen, auf die Leute zu hören, die unmittelbar am Geschehen sind, bleibt zu hoffen.

Wichtig im Zusammenhang mit der Werbung wären auch Berichte in regel-mässigen Abständen in der Verbandspresse zu Themen, welche besonders die Pensionierten betreffen. Zugesagt wurde uns dies schon vor geraumer Zeit, geworden ist daraus indes wenig. Der ZV erwartet eine Besserung mit der neuen Zeitung.

Erneut kam die Sicherheit der Personalsparkasse zur Sprache. Sowohl der ZP als auch Sepp Bühler beurteilten sie als gut. Beide erinnerten aber daran, dass unsere Kasse keine Bank sei und folglich kein Einlegerschutz bestehe. Hin-gegen verpflichte das Eidgenössische Finanzhaushaltgesetz den Bund, ständig dafür zu sorgen, dass die SBB liquide sei (eine faktische Garantie). Von einer konkreten Bundesgarantie könne aber nicht gesprochen werden. So oder so solle man das Ersparte nicht einseitig anlegen.

Die Frauenkommission sucht noch immer eine Kollegin, die bereit wäre, in der Kommission und dann auch im ZV mitzuwirken.

Wiederum erfrischend waren die Ausführungen unseres Vertreters bei der VASOS, Ernst Widmer. Nach Meinung eines Professors Fragnière gibt es kei-nen Ruhestand mehr, vielmehr sei ein neuer Lebenslauf zu erfinden.

Der ZP warb darum, der SGB-Initiative am 30. November unbedingt zum Durch-bruch zu verhelfen, selbst wenn wir bereits Pensionierte, nichts mehr davon hätten. Ein schlechtes Ergebnis oder gar eine Ablehnung wirkte sich nach Meinung von Michel Béguelin negativ auf die weiteren Forderungen der Gewerkschaften aus.

Schliesslich verabschiedete der ZP Norberto Beretta, Hansruedi Schneider und Marius Zurbrügg mit herzlichen Worten vom ZV und nahm selbst Abschied, mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie er sagte. Offiziell erfolgt die Verabschiedung anlässlich der DV 2009.

 Walter Saxer

 

BRENSCINO   23./ 24. OKTOBER 2008

FOTOS: 
Hansruedi Schneider
 

 Der ZA bis Ende 2008

 

Der ZA ab 1.1.2009

 
   

 

 

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